Was macht ein Chorleiter ohne Bühne?

Projekt-Tonstudio in Dössel

Er verwirklicht sich einen Traum und richtet sich ein Projektstudio ein.

Natürlich gibt es unseren ProGospel Chor noch. Wir haben uns in den letzten 12 Monaten nicht aus den Augen verloren und proben normalerweise einmal die Woche virtuell per ZOOM, was auch sehr viel Spaß macht. Der musikalische Effekt ist hier jedoch begrenzt, da man die Sänger:innen beim Singen nicht hören kann. Wir lernen zwar jede Menge neue Gospelsongs, aber wenn wir dann irgendwann wieder im Proberaum sitzen, muss man die Songs noch einmal neu “zusammenbauen”. An dieser Stelle beginnt dann eigentlich die richtige Chorarbeit. Da natürlich jeder Musiker nicht nur von der Gage lebt, sondern auch vom Applaus des Publikums und der Energie im gut gefüllten Auditorium, hat man natürlich im Moment ein gewisses Defizit. Und weil ich gerne mal wieder ein musikalisches Erfolgserlebnis haben wollte, habe ich mir nun ein kleine Projektstudio zuhause eingerichtet.

Mein Projektstudio
Das Studio ist komplett digital eingerichtet.

Ein Jugendtraum wurde war

Seit ich Musik mache – und das ist schon sehr, sehr lange – wollte ich immer ein kleines Tonstudio haben, um musikalische Ideen und Livemitschnitte aufnehmen zu können. Das war früher sehr teuer und über ein 4-Spur-Kassettengerät kam ich anfangs nicht hinaus. Später gab es dann die ersten digitalen 8-Spur-Rekorder, die schon deutlich mehr drauf hatten. Aber der richtige Zündfunke sprang nie über. Irgend etwas fehlte noch. Ich wusste nur nie genau was. Bis ich die Biografie von Leonard Cohen gelesen hatte. Hier habe ich sehr viel über die Entstehungsweise seiner Songs gelesen. Ich lernte, dass man einen Song nicht mal eben so hinschreiben kann, sondern den Song regelrecht formen und entwickeln muss. Da kam dann auch wieder der alte Traum zum Vorschein, ein eigenes Projektstudio zu haben. Also bin ich nun auch mal etwas konkreter geworden. Instrumente hatte ich schon einige und mein neues E-Drum passte auch perfekt in mein Konzept.

Mein Projektstudio
An Instrumenten ist alles für eine spontane Session vorhanden.

Dank Pandemie zum eigenen Projektstudio

Nun kam noch die “Kulturkrankheit” – genannt COVID 19 – dazu. Alles, wofür man vorher musikalisch als Chorleiter gearbeitet hat, war von jetzt auf gleich nicht mehr möglich. Wir hatten z.B. gerade an einem Musical gearbeitet, wo wir sogar schon einen Premierentermin hatten. Chorauftritte und -Proben wurden verboten. Mittlerweile bin ich sogar der Meinung, dass wir Chöre die “Schlimmsten” (Pandemietreiber) sind und wahrscheinlich erst ganz zum Schluß wieder “ans Netz” gehen dürfen. Aber sei es drum. Es muss ja irgendwie weiter gehen. Also dachte ich wieder an Leonard Cohen, und an das Geld, was man im Moment nicht ausgeben kann. Geburtstag? Nicht gefeiert. Firmenjubiläum? Nicht gefeiert. Schützenfest? Nicht gefeiert. Und so geht es unendlich weiter. Es gab also unfreiwillig nun ein kleines Budget für “Christofs Bälleparadies”.

Mein Projektstudio
Die Studiowand schmücken Fotografien von lokalen Musikern und Konzerten, die ich besucht habe.

Der Zufall hat mitgeholfen

Einen eingerichteten Proberaum hatte ich bereits unterm Dach. Dort konnte ich auch Aufnahmen machen. Aber atmosphärisch habe ich mich dort nie richtig wohl gefühlt. Nun kam mir tatsächlich noch der Zufall entgegen. Wir haben nämlich eine neue Schlafcouch für diesen Raum gekauft, die dann aber nicht mehr so gestellt werden konnte, wie die alte Couch. Ein alter Kleiderschrank, der hier auch noch für Enge sorgte, wurde nicht mehr benötigt und konnte abgebaut werden. Ruckzuck hatte ich ein Raumkonzept entwickelt, welches deutlich mehr Platz bot. Jetzt konnte ich sogar noch ein Studiomöbel unterbringen, welches meine komplette Technik ordentlich verstaut.

Mein Projektstudio
Auch für meine ideelle, aber ansonsten wertlose Kamerasammlung habe ich im Studio einen Platz gefunden

Es ist vollbracht

Als alles fertig war, setzte ich mich auf die neue Couch, öffnete eine Flasche Warburger Bier und betrachtete mein Werk. Hier fühle ich mich nun richtig wohl. Es gibt eine gute Arbeitsatmosphäre und es ist alles an seinem Platz, sodass ich sofort starten kann, wenn ich eine Idee habe. Jetzt muss die Zeit zeigen, ob ich hier wirklich eine Ideenschmiede gebaut habe oder einen Raum, der nur Staub ansetzt. Ideen habe ich genug. Von Kompositionen über Videoprojekten, bis hin zum gestreamten kleinen Wohnzimmerkonzert ist alles dabei. Ich werde alles in Ruhe angehen und mich nicht selbst unter Druck setzen. Dann wird das am Ende auch was.


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