Es war einmal ein Wald

Es war einmal ein Wald

Um den Wald im Warburger Land mache ich mir wirklich Sorgen. Neben der steigenden Trockenheit und den immer häufiger auftretenden Stürmen macht insbesondere der Borkenkäfer den Bäumen zu schaffen. Die Klimakrise ist also bei uns vor der Haustür angekommen.

Waldsterben im Warburger Land

Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause fahre ich immer – sofern ich nicht im Homeoffice bin – über die A44 nach Hause. Im November fiel mir ein Waldstück kurz hinter Breuna auf, welches mit den toten Fichten eine schaurig schöne Szenerie ausstrahlte. Nach einigen Tagen reifte der Entschluss mich auf den Weg zu machen, um hier mit ein paar Fotos das Waldsterben zu dokumentieren, bevor hier im großen Stil aufgeräumt wird.

Es war ein sonniger Tag, an dem meine Frau und ich uns aufmachten, dieses Waldstück zu finden. Es befindet sich zwischen der hessischen Gemeinde Breuna und dem ostwestfälischem Dorf Calenberg. Die Schwierigkeit bestand eigentlich nicht darin, dieses Waldstück zu finden, sondern sich durch die vielen umgestürzten Baumstämme einen Weg zu bahnen. Es gelang uns dann uns vorsichtig diesem Ort zu nähern.

Der Borkenkäfer hat ganze Arbeit geleistet

Da standen die “Ruinen” von etwas, was einmal ein Wald war. Waldsterben Live. Die Schäden des Borkenkäfers waren nicht zu übersehen. Meine Gedanken drehten sich in diesem Moment darum, wie schnell ein defekter Wald doch entsorgt wird. Das soll jetzt keine Anklage an die Besitzer des Waldes sein, die selbstverständlich hier aufräumen müssen. Ich meine was anderes. Ich stellte mir in diesem Moment vor, was dieser Wald in seinem Leben schon alles gesehen hat. Eine Familie, die hier Picknick macht. Eine Gruppe die hier mit Kindern Ostereier gesucht hat. Ein Liebespaar, das sich im Dickicht des Waldes das erste Mal geküsst hat. Viele weitere Beispiele fielen mir spontan ein.

Nun stehen hier die Reste einer ehemals herrlichen, schatten- und sauerstoffspendenden Baumlandschaft. Mir tat dieser Wald Leid. Hatte er uns früher doch so viele schöne Momente beschert, verschwindet er heute hier und jetzt ohne die geringste Wertschätzung. Ich legte spontan meine Kamera aus der Hand, ging auf eine vereinzelt stehende Fichte zu und umarmte diese. Ich wollte nicht die Energie spüren, die ohnehin nicht mehr aus diesem zerstörten Baum strömte, sondern mich symbolisch für diesen ganzen Wald von diesem Baum verabschieden. Ganz still, ganz im Moment und vor allen Dingen ganz würdevoll.

Umbau des Waldes mit neuen Baumarten

Das Thema Waldsterben ist ein Problem, dass man nun aktiv angeht. Der Besitzer des Waldes ist derzeit dabei den Wald wieder mit neuen klimaresistenteren Baumarten aufzuforsten. Ich bin mir sicher, dass hier mit einer großen Sorgsamsamkeit und einer Generationen überdauernden Nachhaltigkeit geplant und agiert wird. Der Wald wird wieder erblühen, wieder Menschen Schatten spenden und Kindern als Abenteuerspielplatz dienen. Das einzige was wir hier mitbringen müssen ist – Geduld.

2 Gedanken zu „Es war einmal ein Wald

  1. Anne Antworten

    Erschreckende Bilder und beeindruckende Fotos. War wohl eher ein Fichtenwaldstück, also ein Wirtschaftswald der mit zunehmendem Klimawandel keine Chance hat. Man darf gespannt auf den Nachwuchs sein. Dürfte das Holz liegenbleiben, wäre es bald ein lebendiges Totholz.

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