Erinnerung an Lilly Fischer

Heute vor 150 Jahren wurde Lilly Fischer als Elisabeth Leopoldine Ritgen geboren. Das möchte ich zum Anlass nehmen, an diese beeindruckende Dösseler Persönlichkeit zu erinnern.

Lilly Fischer, am 4. August 1875 geboren, war die älteste Tochter von Josef Bruno und Franziska Ritgen aus Wormeln. Ihr Vater war Besitzer des Klostergutes in Wormeln. Sie wurde von Privatlehrern und später in einer Pensionatsschule unterrichtet. 

Heirat und Familiengründung

Im Alter von zwanzig Jahren heiratete sie den Dösseler Gutsbesitzer Heinrich Fischer, den Besitzer des 150 Hektar großen Guts „Haus Riepen“.

Lilly und Heinrich Fischer auf Haus Riepen

Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor, von denen jedoch nur drei überlebten. Die typischen Tätigkeiten einer Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Kindererziehung und die Leitung des Haushalts. Lilly Fischer hatte jedoch noch ein weiteres Arbeitsfeld auf dem Gut erobert. Sie profilierte sich als Pferdezüchterin und erschloss damit einen weiteren Wirtschaftszweig für Haus Riepen.

Als ihr Mann im Ersten Weltkrieg als Reserveoffizier eingezogen wurde, übernahm Lilly die Leitung des Guts. Nachdem Heinrich Fischer 1917 schwer erkrankt aus dem Krieg heimgekehrt war, starb er im Sommer desselben Jahres auf dem Gut. 1920 wurde die Leitung von Haus Riepen auf den ältesten Sohn übertragen.

Zu dieser Zeit absolvierte eine Bauerntochter aus einfachen Verhältnissen aus dem Münsterland ein Praktikum auf dem Gut. Durch diese Begegnung entwickelte Lilly Fischer die Idee, Bauerntöchtern eine gründliche fachliche Ausbildung zu vermitteln. Da sich die meisten Eltern das nicht leisten konnten, vernetzte sie sich mit anderen Frauen. Sie traf sich mit ihnen in Gaststätten der umliegenden Dörfer und suchten gemeinsam nach Lösungen.

Erste Kontakte mit der Landfrauenbewegung

Durch Verwandte von Lilly Fischer in Ostpreußen erfuhr sie von Elisabeth Boehm, der Begründerin der Landfrauenorganisation in Deutschland aus Ostpreußen. Elisabeth Boehm besuchte Lilly Fischer auf Haus Riepen. Beide tauschten sich über die Landfrauenbewegung aus.

Bereits im Jahr 1921 gründete die hiesige Landwirtschaftskammer einen Landfrauenausschuss und wählte Lilly Fischer zur ersten Vorsitzenden. Unter ihrer Leitung wurde das ländlich-hauswirtschaftliche Bildungswesen für junge Bäuerinnen entwickelt. In Westfalen entstanden daraufhin zahlreiche Wanderhaushaltungsschulen sowie Mädchenklassen an landwirtschaftlichen Winterschulen. Lilly Fischer initiierte außerdem die Gründung von Landfrauenvereinen in ganz Westfalen. 

Sie war viel unterwegs, um Bäuerinnen für ihre Ideen und Ideale zu begeistern. Auf der Agenda der Landfrauenvereine standen Fortbildung, Wissensvermittlung und das Einstehen für gemeinsame Interessen.

1896 erbautes Herrenhaus auf Haus Riepen

Im Jahr 1933 wurde die Landfrauenbewegung in den NS-Reichsnährstand überführt, was ihr das Ende besiegelte. Lilly Fischer zog sich daraufhin vollständig zurück. Sie starb am 19. November 1943 auf ihrem Gut Haus Riepen in Dössel.